Image Autofriedhof

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3. Konsum und Kalter Krieg: Aus der Erfahrung der unmittelbaren Grenznähe zur Zeit des Kalten Krieges entstand eine politische Kunst, die sich in kritischer Distanz und unter Vermeidung einseitiger ideologischer Festlegungen mit den Fehlentwicklungen in Ost und West auseinandersetzt. Zäune sind ein wiederkehrendes Symbol von Trennung, Abgrenzung und Ausgrenzung, wie beispielsweise in einer gleichnamigen Zeichnung oder einem Gemälde in Tempera, dessen Mitte in ansonsten unberührter Landschaft ein für die innerdeutsche Grenze charakteristischer Grenzpfahl dominiert. Werke wie die Radierung „Der Sozialismus siegt“ oder die Lithografien „Herr Doktor Marx aus Trier“ oder „Staatsbesuch mit Zeitzünderbombe“ thematisieren die Ausweglosigkeit des stalinistischen Weges zum Sozialismus, einschließlich des zynischen Machtmissbrauchs der politischen Führer.

In gleicher Schärfe steht auch die vermeintliche Wohlstandsgesellschaft der jungen Bundesrepublik in der Kritik wie beispielsweise in Radierungen mit den Titeln wie „Arbeiter und Boss“, „Der Direktor hat Geld und ein Gebiss“, und „Doch der Segen kommt von oben“. Eine Kreidezeichnung mit dem ironischen Titel „Wir sind es satt“ nimmt den Mythos des Wirtschaftswunders auf Korn, ein Gemälde in Tempera mit dem Titel „Autofriedhof“ den ungebremsten Autowahn.

Unter dem Titel „Krieg und Nachkriegszeit“ zeigt Coburg in der Rückertstraße 3 eine präzise kuratierte Werkschau Karl F. Borneffs. Inhaltlich richtet sich der Blick auf Ideologie, Konsumkritik und die Widersprüche der jungen Wohlstandsgesellschaft. Die Zeit atmet in den Bildern; sie spricht leise – und doch unüberhörbar. Ironie und Kritik schimmern unter der Oberfläche. Im Falle dieses Bildes sicherlich mehr die Kritik.

Nicht nur immer größer, immer schneller – nein, auch immer mehr, nicht nur wie in diesem Fall an PKWs, muss es sein. Es ist keine Seltenheit mehr, dass in manchen privaten Haushalten mehr als zwei oder sogar mehr als drei PKW vorhanden sind. Am 1. Januar 2025 lag der registrierte KFZ-Bestand bei 61.097.943 Millionen Fahrzeugen. Dem stehen etwa 23,4 Millionen aktive PKW-Führerscheine gegenüber (Quelle: www.kba.de). Rein statistisch fallen also auf jeden Führerschein um die 2,65 Fahrzeuge – und: Die Zahlen sind steigend … Andere Beispiele sind beispielsweise TV, PC, Handys oder auch Urlaubsreisen. Die Kurven in den Statistiken steigen. Und: – wir jammern weiter auf hohem Niveau. Hätte Borneff zu Lebzeiten gewusst, wie sich dieser Trend weiter entwickelt, hätte er das Bild sicherlich größer gemalt. Die Dokumentation erfolgte am 5. Mai 2025 bei einer vom BDS (Bund der Selbstständigen) organisierten Führung.

Geleitet wurde die Führung von Rupert Appeltshauser, der sich seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Coburger Kulturarbeit engagiert (Initiative Stadtmuseum Coburg e.V.). Verantwortlich für die Umsetzung: „Wirgestalten e.V.“ – Studierende der Hochschule Coburg aus Produktdesign, Innenarchitektur und Architektur. Eröffnung am 22.03.2025, Verlängerung bis 11.05.2025.

Herzlichen Dank an die Städtischen Sammlungen Coburg (SSC) für die Erlaubnis, die Bilder auf meiner Website veröffentlichen zu dürfen.

Bilddaten: Tempera „Autofriedhof“, ohne Jahresangabe (Fundus der Städtischen Sammlungen Coburg).