4. Der normierte und deformierte Mensch: Hinausgehend über den unmittelbaren Bezug zu den Jahren des wirtschaftlichen Wiederaufstiegs setzen sich eine ganz Reihe von Werken auch in allgemeiner Form mit den Folgen einer auf Effizienz und Normierung gerichteten Industriegesellschaft auseinander. Seiner Möglichkeiten, vielleicht auch seiner Fähigkeiten zur Eigenbestimmung beraubt, wird das Individuum zu einer kleinen Nummer in einem nach maschinellen Abläufen organisiertem Gesellschaftsbetrieb. Die Folgen sind die Ausgrenzung jener, die nicht mehr mithalten können unter Lebens- und Arbeitsbedingungen, unter welchen Gesichter zu monotonen Masken und der Alkohol zum Tröster werden. Titel wie „Schaufensterpuppen“, „Hörsaal“, „Flaschen“ „Häftling“ oder „Zwei Frauengesichter“ sprechen für sich.
Die Ausstellung „Krieg und Nachkriegszeit“ in der Rückertstraße 3 in Coburg, zeichnet ein dichtes Bild von Karl F. Borneffs Werk. Es geht um Normierung, Rollenbilder und die Deformation des Menschen in einer auf Effizienz getrimmten Gesellschaft. Mannigfaltige Motive der Masken, der Rollen, der disziplinierten Körper. Normierung eben. Das vorliegende Bild zeigt direkt und ohne jegliche Sensibilität in Form einer monetären Versinnbildlichung eines der Hauptgründe dafür, warum mehr und mehr Menschen nicht mehr in der Lage sind, ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu ertragen. Der Interessenskonflikt zwischen Industriegesellschaft und der ihr unterstellten Menschen, wo einerseits Effizienz und Normierung großgeschrieben werden – anderseits das Individuum Mensch aus Fleisch und Blut, das nach Eigenbestimmung, Selbstverwirklichung und Freiräumen lechzt. Ein Teufelskreis, der niemals enden wird und langfristig zwangsläufig zur Deformierung des Individuums führen wird. Steigende Zahlen an Burnouts und überfüllte Liegen beim „Seelenklempner“ sind vorprogrammiert. Jeder kennt den Spruch: Geld allein macht nicht glücklich – aber es beruhigt. Ob es allerdings immer ein Segen ist, was da von oben kommt, darf angezweifelt werden.
Die Führung leitete Rupert Appeltshauser – seit 2000 ehrenamtlich für das Stadtmuseum engagiert und seit 17. Juni 2025 stellvertretender Vorsitzender der Initiative Stadtmuseum Coburg e.V. Verantwortlich für die Umsetzung: „Wirgestalten e.V.“ – Studierende der Hochschule Coburg aus Produktdesign, Innenarchitektur und Architektur. Die Dokumentation erfolgte am 5. Mai 2025 bei einer vom BDS (Bund der Selbstständigen) organisierten Führung. Eröffnung am 22.03.2025, Verlängerung bis 11.05.2025.
Vielen Dank an Herrn Appeltshauser für seine Hilfe und seinen Bemühungen zur Textgestaltung. Die Texte der Themenkreise wurden von ihm verfasst und 1:1 übernommen. Herzlichen Dank auch an die Städtischen Sammlungen Coburg (SSC) für die Erlaubnis, die Bilder auf meiner Website veröffentlichen zu dürfen.
Bilddaten: Radierung „Doch der Segen kommt von oben“, 1961 (Fundus der Städtischen Sammlungen Coburg).



