2. Die Gegenwart von Krieg und Gewalt: Die letzten Monate und Tage des Krieges, Borneffs fotografischen Zeugnisse des Absturzes eines amerikanischen Bombers und die schweren Bombenschäden mit Todesopfern am 8. April 1945 in unmittelbarer Nachbarschaft seines Wohnhauses waren von geradezu traumatischer Wirkung für sein späteres Werk. Zerstörung, Vernichtung, Entmenschlichung und Tod bleiben ein immer wiederkehrendes Motiv – wie beispielsweise in der Lithografie über einen Flugzeugabsturz oder in einem Hitlerbild vor dem Trümmerfeld einer Stadt. Gewalt und Tod sind auch das Motiv einer Kohlezeichnung „Kanonen“ bzw. einer Kugelstiftzeichnung „Friedhof“. Eine Radierung mit dem sarkastischen Titel „Schöne Frau – zwei Kretins“ zeigt die vollkommene Deformation von Menschen als Folge des Atomangriffs von Hiroshima. Die Coburger Schau „Krieg und Nachkriegszeit“ (Rückertstraße 3) verdeutlicht Borneffs Themen und Techniken mit eindringlicher Ruhe. Das Motiv legt die Schmerzensspur der Kriegsjahre frei: Zerstörung, Entmenschlichung und die lange Wirkung von Gewalt.
Der Betrachter fühlt sich hier in einer beängstigten Nähe zum Geschehen: Wie von Rupert Appeltshauser geschrieben, treten dabei Zerstörung, Vernichtung und Tod in den Vordergrund. Das Bild verstärkt die Vorstellung, mittendrin und dabei zu sein. Es ist nicht verwunderlich, wenn man solche Szenen eigenständig live erlebt, dass diese prägenden Charakter haben. Und die Kanalisation der Verarbeitung, diese Erlebnisse in Form von Bildern abzuarbeiten, ist für die Psyche nicht die Schlechteste. Betrachtet man die Alternativen, werden diese, auch heute noch, vielfach von Traumata oder anderen psychischen Beschwerden begleitet, die oftmals in ausweglosen Situationen enden. Dies gerade bei den Soldaten und Kämpfern, die aktiv an Kriegen teilgenommen haben. In manchen Fällen kann das auch als Gefahr für die soziale Gemeinschaft der Bevölkerung ausufern. Bestes Beispiel sind die Kriegsveteranen aus dem Vietnamkrieg, die vielfach Schwierigkeiten hatten, sich wieder in das normale soziale Gefüge einzuordnen. Die hier gezeigten Aufnahmen entstanden am 5. Mai 2025 im Rahmen einer vom Bund der Selbstständigen (BDS) angebotenen Führung.
Gute Erklärungen zu den Werken lieferte Rupert Appeltshauser, ehrenamtlich in der Kulturarbeit aktiv; seit 17.06.2025 stellvertretender Vorsitzender der Initiative Stadtmuseum Coburg e.V., der auch die Führung leitete. Die Projektrealisierung lag bei „Wirgestalten e.V.“ – einem Netzwerk von Produktdesign-, Innenarchitektur- und Architekturstudenten der Hochschule Coburg. Die Ausstellung startete am 22. März 2025 und lief in verlängerter Form bis zum 11. Mai 2025.
Herzlichen Dank auch an die Städtischen Sammlungen Coburg (SSC) für die Erlaubnis, die Bilder auf meiner Website veröffentlichen zu dürfen.
Bilddaten: Lithografie, „ohne Titel (Flugzeugabsturz)“, 1961–1980, 66 × 47 cm (Fundus der Städtischen Sammlungen Coburg). Der angegebene Bildtitel in Klammern hinter der Bezeichnung „ohne Titel“ wurde von der Studenten der Hochschule Coburg erarbeitet.



