3. Konsum und Kalter Krieg: Aus der Erfahrung der unmittelbaren Grenznähe zur Zeit des Kalten Krieges entstand eine politische Kunst, die sich in kritischer Distanz und unter Vermeidung einseitiger ideologischer Festlegungen mit den Fehlentwicklungen in Ost und West auseinandersetzt. Zäune sind ein wiederkehrendes Symbol von Trennung, Abgrenzung und Ausgrenzung, wie beispielsweise in einer gleichnamigen Zeichnung oder einem Gemälde in Tempera, dessen Mitte in ansonsten unberührter Landschaft ein für die innerdeutsche Grenze charakteristischer Grenzpfahl dominiert. Werke wie die Radierung „Der Sozialismus siegt“ oder die Lithografien „Herr Doktor Marx aus Trier“ oder „Staatsbesuch mit Zeitzünderbombe“ thematisieren die Ausweglosigkeit des stalinistischen Weges zum Sozialismus, einschließlich des zynischen Machtmissbrauchs der politischen Führer.
In gleicher Schärfe steht auch die vermeintliche Wohlstandsgesellschaft der jungen Bundesrepublik in der Kritik wie beispielsweise in Radierungen mit den Titeln wie „Arbeiter und Boss“, „Der Direktor hat Geld und ein Gebiss“, und „Doch der Segen kommt von oben“. Eine Kreidezeichnung mit dem ironischen Titel „Wir sind es satt“ nimmt den Mythos des Wirtschaftswunders auf Korn, ein Gemälde in Tempera mit dem Titel „Autofriedhof“ den ungebremsten Autowahn.
In den Räumen der Rückertstraße 3 in Coburg führt die Ausstellung „Krieg und Nachkriegszeit“ exemplarisch durch Borneffs Schaffensphasen. Inhaltlich richtet sich der Blick auf Ideologie, Konsumkritik und die Widersprüche der jungen Wohlstandsgesellschaft. Wo die Farbe innehält, beginnt die Erzählung – das Auge liest zwischen den Schichten. Ironie und Kritik schimmern unter der Oberfläche. Hier hält zwar die Farbe nicht ganz inne, denn es verbleibt das typische Rot des Gespenstes des Kommunismus, das aber zusammen mit dem Lorbeerkranz, dem Handschlag und der Schrift „Unita“ ganz ohne weiteres Zutun die Stimmung und Aussage des Bildes umschreibt. Das Bild zeigt eine gekonnte Persiflage auf den Gründer des Kommunismus, Karl Marx, der zusammen mit Friedrich Engels das kommunistische Manifest erschaffen hat. Das 23-seitige Werk aus dem Jahr 1848, bestehend aus einer Einleitung und vier Kapiteln, ist die Grundlage der heute als Marxismus bezeichneten Weltanschauung. Der Aufruf des Werkes am Schluss war mehr als 70 Jahre später Wahlspruch der ehemaligen Sowjetunion: – „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ Die Dokumentation erfolgte am 5. Mai 2025 bei einer vom BDS (Bund der Selbstständigen) organisierten Führung.
Die Einordnung übernahm Rupert Appeltshauser – engagierter Ehrenamtlicher und (seit 17.06.2025) stellvertretender Vorsitzender der Initiative Stadtmuseum Coburg e.V. Verantwortlich für die Umsetzung: „Wirgestalten e.V.“ – Studierende der Hochschule Coburg aus Produktdesign, Innenarchitektur und Architektur. Am 23.05.2025 war die Eröffnung der Ausstellung, es gab eine Verlängerung bis zum 11.05.2025.
Herzlichen Dank auch an die Städtischen Sammlungen Coburg (SSC) für die Erlaubnis, die Bilder auf meiner Website veröffentlichen zu dürfen.
Bilddaten: Lithografie „Herr Doktor Marx aus Trier“, 1972, 65 × 47 cm (Fundus der Städtischen Sammlungen Coburg).



