Image Schaufensterpuppen

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4. Der normierte und deformierte Mensch: Hinausgehend über den unmittelbaren Bezug zu den Jahren des wirtschaftlichen Wiederaufstiegs setzen sich eine ganz Reihe von Werken auch in allgemeiner Form mit den Folgen einer auf Effizienz und Normierung gerichteten Industriegesellschaft auseinander. Seiner Möglichkeiten, vielleicht auch seiner Fähigkeiten zur Eigenbestimmung beraubt, wird das Individuum zu einer kleinen Nummer in einem nach maschinellen Abläufen organisiertem Gesellschaftsbetrieb. Die Folgen sind die Ausgrenzung jener, die nicht mehr mithalten können unter Lebens- und Arbeitsbedingungen, unter welchen Gesichter zu monotonen Masken und der Alkohol zum Tröster werden. Titel wie „Schaufensterpuppen“, „Hörsaal“, „Flaschen“ „Häftling“ oder „Zwei Frauengesichter“ sprechen für sich.

In der Ausstellung „Krieg und Nachkriegszeit“ (Rückertstraße 3, Coburg) verdichten sich Biografie und Zeitgeschichte zu einer klaren Bildsprache. Inhaltlich richtet sich der Blick auf Normierung, Rollenbilder und die Deformation des Menschen in einer auf Effizienz getrimmten Gesellschaft. Zwischen Licht und Schatten formt sich ein Gedanke, der länger wirkt als ein Blick. Ironie und Kritik schimmern unter der Oberfläche. Kritik und Ironie – beides wird auf dem gezeigten Bild gleichermaßen dargestellt. So ist die Schaufensterpuppe aufgrund ihrer Menschenähnlichkeit und ihrer Zerlegbarkeit häufig komödiantisch thematisiert worden. Der Vergleich und die Inszenierung dieser Puppen entsprechen häufig stereotypen Vorstellungen von Geschlechterrollen. Aufgrund der mittlerweile quantitativen starken Präsenz in den Schaufenstern nimmt diese Puppe inzwischen aktiv, aktiv bedeutet in diesem Fall manipulierend, am Sozialisierungsprozess des Menschen teil. Dies, indem sie beispielsweise ganze Modetrends aufkommen lassen.

In Kunst und Musik spielten und spielen sie eine große Rolle: Als Beispiele erwähnenswert die unterschiedlich gestalteten Puppen von 1938 auf der surrealistischen Ausstellung „Exposition Internationale du Surréalisme“ in Paris, – das Lied Schaufensterpuppen der Elektronik-Band Kraftwerk, – aber auch in Film und Presse, wo im Film „Mannequin“ eine Schaufensterpuppe zum Leben erwacht. Das erste Beispiel könnte den Künstler hier inspiriert haben. Die auf meiner Website gezeigten Aufnahmen entstanden am 5. Mai 2025 im Rahmen einer vom Bund der Selbstständigen (BDS) angebotenen Führung.

Durch die Führung begleitete Rupert Appeltshauser, langjähriger ehrenamtlicher Kulturvermittler (Initiative Stadtmuseum Coburg e.V., seit 17.06.2025 stellv. Vorsitzender). Die Projektrealisierung lag bei „Wirgestalten e.V.“ – einem Netzwerk von Produktdesign-, Innenarchitektur- und Architekturstudenten der Hochschule Coburg. Die Ausstellung startete am 22. März 2025 und lief in verlängerter Form bis zum 11. Mai 2025.

Herzlichen Dank auch an die Städtischen Sammlungen Coburg (SSC) für die Erlaubnis, die Bilder auf meiner Website veröffentlichen zu dürfen.

Bilddaten: Lithografie „Schaufensterpuppen“, 1972, 55 × 43,5 cm (Fundus der Städtischen Sammlungen Coburg).