2. Die Gegenwart von Krieg und Gewalt: Die letzten Monate und Tage des Krieges, Borneffs fotografischen Zeugnisse des Absturzes eines amerikanischen Bombers und die schweren Bombenschäden mit Todesopfern am 8. April 1945 in unmittelbarer Nachbarschaft seines Wohnhauses waren von geradezu traumatischer Wirkung für sein späteres Werk. Zerstörung, Vernichtung, Entmenschlichung und Tod bleiben ein immer wiederkehrendes Motiv – wie beispielsweise in der Lithografie über einen Flugzeugabsturz oder in einem Hitlerbild vor dem Trümmerfeld einer Stadt. Gewalt und Tod sind auch das Motiv einer Kohlezeichnung „Kanonen“ bzw. einer Kugelstiftzeichnung „Friedhof“. Eine Radierung mit dem sarkastischen Titel „Schöne Frau – zwei Kretins“ zeigt die vollkommene Deformation von Menschen als Folge des Atomangriffs von Hiroshima.
Unter dem Titel „Krieg und Nachkriegszeit“ zeigt Coburg (Rückertstraße 3) eine präzise kuratierte Werkschau Karl F. Borneffs. Das Motiv legt die Schmerzensspur der Kriegsjahre frei: Zerstörung, Entmenschlichung und die lange Wirkung von Gewalt. Der Blick auf die Zäune, die es unmöglich machen seinen Weg geradlinig zurückzulegen, haben etwas Beklemmendes an sich. Sie symbolisieren die daraus erwachsende Unfreiheit für die Bevölkerung, die sich zu Zeiten der NSDAP-Regierung mit wachsender Konsolidierung nach ihrer Machtübernahme formte. Der 1939 ausbrechende 2. Weltkrieg ließ die Pfähle der Zäune noch enger zusammenwachsen, sodass es fast keinen Durchschlupf mehr gab. Die zunehmende Helligkeit zum Hintergrund des Bildes, zusammen mit der Sonne, mag zwar ein Licht am Ende des Tunnels symbolisieren – es sollte aber, wie bekannt, ein sehr langer Weg bis dorthin werden. Die hier gezeigten Aufnahmen entstanden am 5. Mai 2025 im Rahmen einer vom Bund der Selbstständigen (BDS) angebotenen Führung.
Geleitet wurde die Führung von Rupert Appeltshauser, der sich seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Coburger Kulturarbeit engagiert (Initiative Stadtmuseum Coburg e.V.). Die Projektrealisierung lag bei „Wirgestalten e.V.“ – einem Netzwerk von Produktdesign-, Innenarchitektur- und Architekturstudenten der Hochschule Coburg. Die Ausstellung startete am 22. März 2025 und lief in verlängerter Form bis zum 11. Mai 2025.
Herzlichen Dank auch an die Städtischen Sammlungen Coburg (SSC) für die Erlaubnis, die Bilder auf meiner Website veröffentlichen zu dürfen.
Bilddaten: Zeichnung & Farbdruck „ohne Titel (Zäune)“, 1971, 55,5 × 45 cm (Fundus der Städtischen Sammlungen Coburg).



