Unterwegs zum neuen Sudhaus kommt man an der Coburger Straße an den Resten des ehemaligen Eiskellers der Brauerei Grosch vorbei. In früheren Zeiten war ein Eiskeller von großer Bedeutung, da das Bier in den Gär- und Lagerkellern niedrige Temperaturen benötigt. Diese Keller hatten eine spezielle Bauweise (doppelwandig, Torfschicht zur Wandisolierung und Deckenabdichtung mit Heu, Stroh und Holz), um das Eis auch in den wärmeren Monaten lagern zu können. Für die Vergärung selbst muss auch die Würze auf Temperaturen zwischen 4 und 6 Grad gehalten werden.
Eine größere Brauerei mit einer jährlichen Produktion von 20.000 hl benötigte für die Kühlung 2500 Tonnen Eis. So entwickelte sich eine regelrecht „Eis-Industrie“. Zell am See lieferte so beispielsweise noch im Winter 1883/84 1905 Waggonladungen Eis nach Deutschland.
Bis zum Aufkommen von Kältemaschinen und elektrischen Kühlungen, die ersten Großbrauereien nutzten schon seit den 1870er-Jahren Kältemaschinen, um von der Eisbildung im Winter unabhängig zu werden, galt häufig der Spruch: „Kein Eis im Winter – kein Bier im Sommer“.
Die Brauerei Grosch gewann ihr Eis auf einer extra dafür angelegten Eiswiese im Schlossgrund. Mit Pferdefuhrwerken wurde es dann zerhackt zum Eiskeller transportiert, und dort so luftdicht wie möglich eingelagert.
Erst mit der Anschaffung einer elektrischen Kühlung im Jahr 1952 verlor der Eiskeller für die Brauerei seine Wichtigkeit: Der 1876 in einer alten Scheune erbaute Keller diente seitdem nur noch als Abstellraum. 1987 kaufte die Firma Weingarth das Gelände, der Keller wurde dann noch bis zum Jahr 2020 als Lagerraum genutzt.
Heute zeigen die Überreste den aufwändigen Aufbau des Isoliermauerwerks aus einer Zeit ohne Kühlschränke, das mit großem Aufwand restauriert wurde, um es der Nachwelt zu erhalten. Die Kosten der Restauration hat die Horst-Ludwig-Weingarth-Stiftung übernommen.



