Image DDR-Grenze

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3. Konsum und Kalter Krieg: Aus der Erfahrung der unmittelbaren Grenznähe zur Zeit des Kalten Krieges entstand eine politische Kunst, die sich in kritischer Distanz und unter Vermeidung einseitiger ideologischer Festlegungen mit den Fehlentwicklungen in Ost und West auseinandersetzt. Zäune sind ein wiederkehrendes Symbol von Trennung, Abgrenzung und Ausgrenzung, wie beispielsweise in einer gleichnamigen Zeichnung oder einem Gemälde in Tempera, dessen Mitte in ansonsten unberührter Landschaft ein für die innerdeutsche Grenze charakteristischer Grenzpfahl dominiert. Werke wie die Radierung „Der Sozialismus siegt“ oder die Lithografien „Herr Doktor Marx aus Trier“ oder „Staatsbesuch mit Zeitzünderbombe“ thematisieren die Ausweglosigkeit des stalinistischen Weges zum Sozialismus, einschließlich des zynischen Machtmissbrauchs der politischen Führer.

In gleicher Schärfe steht auch die vermeintliche Wohlstandsgesellschaft der jungen Bundesrepublik in der Kritik wie beispielsweise in Radierungen mit den Titeln wie „Arbeiter und Boss“, „Der Direktor hat Geld und ein Gebiss“, und „Doch der Segen kommt von oben“. Eine Kreidezeichnung mit dem ironischen Titel „Wir sind es satt“ nimmt den Mythos des Wirtschaftswunders auf Korn, ein Gemälde in Tempera mit dem Titel „Autofriedhof“ den ungebremsten Autowahn.

In der Ausstellung „Krieg und Nachkriegszeit“ (Rückertstraße 3, Coburg) verdichten sich Biografie und Zeitgeschichte zu einer klaren Bildsprache. Inhaltlich richtet sich der Blick im Themenkreis 3 auf Ideologie, Konsumkritik und die Widersprüche der jungen Wohlstandsgesellschaft. Hier fällt auf den ersten Blick der in schwarz-rot-gold gehaltene Grenzpfahl im Vordergrund auf. Zufall? Nein, gewollt – denn er symbolisiert die charakteristische Situation der innerdeutschen Grenze während der Zeit des Kalten Kriegs, die erst 1989 mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vorüber war. Und heute bauen Despoten daran, diesen fatalen Zustand wieder herzustellen … Die Dokumentation erfolgte am 5. Mai 2025 bei einer vom BDS (Bund der Selbstständigen) organisierten Führung.

Durch die Führung begleitete Rupert Appeltshauser, langjähriger ehrenamtlicher Kulturvermittler (Initiative Stadtmuseum Coburg e.V., seit 17.06.2025 stellvertretender Vorsitzender). Verantwortlich für die Umsetzung: „Wirgestalten e.V.“ – Studierende der Hochschule Coburg aus Produktdesign, Innenarchitektur und Architektur. Eröffnung der Ausstellung war am 22.03.2025, es gab eine Verlängerung bis 11.05.2025.

Herzlichen Dank auch an die Städtischen Sammlungen Coburg (SSC) für die Erlaubnis, die Bilder auf meiner Website veröffentlichen zu dürfen. Zwischen Licht und Schatten formt sich ein Gedanke, der länger wirkt als ein Blick. Ironie und Kritik schimmern unter der Oberfläche.

Bilddaten: Tempera „Thüringen 1973“, 1957, 35 × 27 cm (Fundus der Städtischen Sammlungen Coburg).