Image Der Sozialismus siegt

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3. Konsum und Kalter Krieg: Aus der Erfahrung der unmittelbaren Grenznähe zur Zeit des Kalten Krieges entstand eine politische Kunst, die sich in kritischer Distanz und unter Vermeidung einseitiger ideologischer Festlegungen mit den Fehlentwicklungen in Ost und West auseinandersetzt. Zäune sind ein wiederkehrendes Symbol von Trennung, Abgrenzung und Ausgrenzung, wie beispielsweise in einer gleichnamigen Zeichnung oder einem Gemälde in Tempera, dessen Mitte in ansonsten unberührter Landschaft ein für die innerdeutsche Grenze charakteristischer Grenzpfahl dominiert. Werke wie die Radierung „Der Sozialismus siegt“ oder die Lithografien „Herr Doktor Marx aus Trier“ oder „Staatsbesuch mit Zeitzünderbombe“ thematisieren die Ausweglosigkeit des stalinistischen Weges zum Sozialismus, einschließlich des zynischen Machtmissbrauchs der politischen Führer.

In gleicher Schärfe steht auch die vermeintliche Wohlstandsgesellschaft der jungen Bundesrepublik in der Kritik wie beispielsweise in Radierungen mit den Titeln wie „Arbeiter und Boss“, „Der Direktor hat Geld und ein Gebiss“, und „Doch der Segen kommt von oben“. Eine Kreidezeichnung mit dem ironischen Titel „Wir sind es satt“ nimmt den Mythos des Wirtschaftswunders auf Korn, ein Gemälde in Tempera mit dem Titel „Autofriedhof“ den ungebremsten Autowahn.

In der Ausstellung „Krieg und Nachkriegszeit“ (Rückertstraße 3, Coburg) verdichten sich Biografie und Zeitgeschichte zu einer klaren Bildsprache. Inhaltlich richtet sich der Blick auf Ideologie, Konsumkritik und die Widersprüche der jungen Wohlstandsgesellschaft. Eine Beschreibung rein zum oberen Bild, „Der Sozialismus siegt“: Borneff skizziert hier eine Treppe, die sich zum Hintergrund ansteigend und im Vordergrund beginnend, dominant durch das Bild zieht. Auf der Stirnseite sieht man den Schriftzug „Der Sieg des Sozialismus ist sicher“, wobei dieser Satz auf den ersten Stufen noch unvollständig lesbar ist, was vielleicht so zu deuten ist, dass an der Satzaussage doch gewisse Zweifel herrschen. Der Schriftzug „Max-Engels-Pl“ mit dem letzten, nicht ausgeschriebenen Wort steht wohl signifikant für die Unvollkommenheit des Sozialismus. Zusammen mit dem U auf der Wand im Hintergrund, wo man befürchten muss, dass es dahinter vielleicht nicht weitergeht, impliziert er wahrscheinlich die Ausweglosigkeit des stalinistischen Weges. Allerdings stehen bereits zwei Personen, es sind wohl Männer, schon ziemlich weit oben auf der Treppe. Nur eine Frau, sie läuft in entgegengesetzte Richtung, scheint sich besonnen zu haben. Man könnte auch sagen, sie kehrt um.

Und jetzt stellt sich abschließend die Frage, warum, und dies gerade im Sozialismus, steht eine Frau immer auf den unteren Stufen? Oder hat Borneff beim Malen des Bildes etwas verwechselt, als die Unzertrennlichkeit zwischen Kapitalismus und dem Patriarchat und die Unzertrennlichkeit der Frauenrevolution mit dem Sozialismus definiert wurden? Vielleicht ist sie aber einfach nur cleverer … Aufgenommen am 5. Mai 2025 während einer BDS-Führung (Bund der Selbstständigen).

Durch die Führung begleitete Rupert Appeltshauser, langjähriger ehrenamtlicher Kulturvermittler (Initiative Stadtmuseum Coburg e.V., seit 17.06.2025 stellvertretender Vorsitzender). Umgesetzt wurde das Projekt von „Wirgestalten e.V.“, getragen von Studierenden der Hochschule Coburg (Produktdesign, Innenarchitektur, Architektur). Laufzeit: 22. März 2025 bis 11. Mai 2025 (verlängert).

Herzlichen Dank an die Städtischen Sammlungen Coburg (SSC) für die Erlaubnis, die Bilder auf meiner Website veröffentlichen zu dürfen. Zwischen Licht und Schatten formt sich ein Gedanke, der länger wirkt als ein Blick. Ironie und Kritik schimmern unter der Oberfläche.

Bilddaten: Radierung „Der Sozialismus siegt“, 1961, 39 × 32 cm (Fundus der Städtischen Sammlungen Coburg).