3. Konsum und Kalter Krieg: Aus der Erfahrung der unmittelbaren Grenznähe zur Zeit des Kalten Krieges entstand eine politische Kunst, die sich in kritischer Distanz und unter Vermeidung einseitiger ideologischer Festlegungen mit den Fehlentwicklungen in Ost und West auseinandersetzt. Zäune sind ein wiederkehrendes Symbol von Trennung, Abgrenzung und Ausgrenzung, wie beispielsweise in einer gleichnamigen Zeichnung oder einem Gemälde in Tempera, dessen Mitte in ansonsten unberührter Landschaft ein für die innerdeutsche Grenze charakteristischer Grenzpfahl dominiert. Werke wie die Radierung „Der Sozialismus siegt“ oder die Lithografien „Herr Doktor Marx aus Trier“ oder „Staatsbesuch mit Zeitzünderbombe“ thematisieren die Ausweglosigkeit des stalinistischen Weges zum Sozialismus, einschließlich des zynischen Machtmissbrauchs der politischen Führer.
In gleicher Schärfe steht auch die vermeintliche Wohlstandsgesellschaft der jungen Bundesrepublik in der Kritik wie beispielsweise in Radierungen mit den Titeln wie „Arbeiter und Boss“, „Der Direktor hat Geld und ein Gebiss“, und „Doch der Segen kommt von oben“. Eine Kreidezeichnung mit dem ironischen Titel „Wir sind es satt“ nimmt den Mythos des Wirtschaftswunders auf Korn, ein Gemälde in Tempera mit dem Titel „Autofriedhof“ den ungebremsten Autowahn.
Die Ausstellung „Krieg und Nachkriegszeit“ in der Rückertstraße 3, Coburg, zeichnet ein dichtes Bild von Karl F. Borneffs Werk. Inhaltlich richtet sich der Blick neben den Kriegereignissen auf Ideologie, Konsumkritik und die Widersprüche der jungen Wohlstandsgesellschaft. Ein stiller Raum für Erinnerung: Linien, Flächen, Spuren – und die Frage, was bleibt. Ironie und Kritik schimmern unter der Oberfläche. Das Bild „Flugblatt 1982“ prangert zunächst unser Konsumverhalten an. An vielen Stellen des Bildes ist dem Profit und der Gier und Jagd nach Schnäppchen über irrationale Prozente Raum gegeben. Die Ironie: Der Konsument wird von den Medien erzogen, sein Kotelett ja nicht schrumpfen zu lassen …
Recht dezent schimmern hingegen die Ereignisse der Politik im Jahre 1982 durch: Die seit 1969 vorhandene rot-gelbe Sozialliberale Koalition zwischen SPD und FDP scheiterte. Mit der Bonner Wende kam es 1982 zu einem Machtwechsel und Helmut Kohl wurde nach einem konstruktiven Misstrauensvotum und dem Entstehen einer schwarz-gelben Koalition neuer Bundeskanzler. Seit jeher ist die FDP das Zünglein an der Waage, was die politischen Machtverhältnisse anbelangt. Sie kann sich einfach nicht zwischen Rot und Schwarz entscheiden. Viele Bürger werfen ihr deshalb eine „Wendehalspolitik“ zugunsten ihrer eigenen Profilierung vor, ohne Rücksicht auf das eigentlich politisch Notwendige zu nehmen. Aktuell ist sie dafür von den Wählern empfindlich abgestraft worden. Die hier gezeigten Aufnahmen entstanden am 5. Mai 2025 im Rahmen einer vom Bund der Selbstständigen (BDS) angebotenen Führung.
Die Führung leitete Rupert Appeltshauser – seit 2000 ehrenamtlich für das Stadtmuseum engagiert und seit 17. Juni 2025 stellvertretender Vorsitzender der Initiative Stadtmuseum Coburg e.V. Die Projektrealisierung lag bei „Wirgestalten e.V.“ – einem Netzwerk von Produktdesign-, Innenarchitektur- und Architekturstudenten der Hochschule Coburg. Die Ausstellung startete am 22. März 2025 und lief in verlängerter Form bis zum 11. Mai 2025.
Herzlichen Dank auch an die Städtischen Sammlungen Coburg (SSC) für die Erlaubnis, die Bilder auf meiner Website veröffentlichen zu dürfen.
Bilddaten: Auswahl aus dem Fundus der Städtischen Sammlungen Coburg; Technik, Jahr und Maße nach Ausstellungsbeschilderung.



