Image Gänse im Korb

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5. Der Visionär: Vergehen an Natur und Umwelt: In Borneffs Werken zum Thema Umwelt und Natur begegnet uns der Blick des Visionärs. Mit Zeichenstift, Gravurgerät und Pinsel hat er Entwicklungen und Erscheinen zu einem Zeitpunkt auf die Leinwand oder das Papier gebracht, als für die meisten Menschen Natur- und Umweltschutz noch ein Thema esoterischer Außenseiter war: Die Lithografie „Der Regenbogen über der Fabrik“ ist geradezu ein Symbolbild verantwortungsloser Umweltzerstörung, die beiden Grafiken „Treppenhäuser“ und „Gleise, Brücken, Torbögen“ können als eindringliche Warnungen vor unkontrollierter Verbauung von Wohngebieten und Landschaft gelten. Und schließlich die Lithografie „Das gefleckte Ungeheuer“ aus dem Jahr 1973: ein Aufschrei gegen das Vergehen an der Kreatur. Denn für wen war zu dieser Zeit die Käfighaltung von Wildtieren denn schon ein Thema?

Die Ausstellung „Krieg und Nachkriegszeit“ in der Rückertstraße 3, Coburg, zeichnet ein dichtes Bild von Karl F. Borneffs Werk. Das Werk reflektiert Vergehen an Natur und Umwelt – weit vorausschauend gedacht und heute bedrückend aktuell. Ein stiller Raum für Erinnerung: Linien, Flächen, Spuren – und die Frage, was bleibt. Ein früher Ruf, Natur ernst zu nehmen – bevor sie verstummt. Und wer denkt schon, sieht er die Gänse hier im Korb, die unschuldig und hoffnungsvoll in ihre Zukunft blicken, an Gänseleber, Gänsebraten oder Daunendecken? Massenhaltung und die auch schon länger anhaltende Industrialisierung mit ihrem Profitdenken in der Tierzucht haben viel Leid über manche Tierart gebracht. Als Beispiele kann man hier die Tiertransporte – mittlerweile oftmals eine Odyssee quer durch die ganze Welt, die Hühnerhaltung oder die Nerzfarmen und Schweinemast aufführen. Wozu?

Die hier gezeigten Aufnahmen entstanden am 5. Mai 2025 im Rahmen einer vom Bund der Selbstständigen (BDS) angebotenen Führung.

Die Führung leitete Rupert Appeltshauser – seit 2000 ehrenamtlich für das Stadtmuseum engagiert und seit 17. Juni 2025 stellvertretender Vorsitzender der Initiative Stadtmuseum Coburg e.V. Die Projektrealisierung lag bei „Wirgestalten e.V.“ – einem Netzwerk von Produktdesign-, Innenarchitektur- und Architekturstudenten der Hochschule Coburg. Die Ausstellung startete am 22. März 2025 und lief in verlängerter Form bis zum 11. Mai 2025.

Herzlichen Dank auch an die Städtischen Sammlungen Coburg (SSC) für die Erlaubnis, die Bilder auf meiner Website veröffentlichen zu dürfen.

Bilddaten: Auswahl aus dem Fundus der Städtischen Sammlungen Coburg; Technik, Jahr und Maße nach Ausstellungsbeschilderung.