2. Die Gegenwart von Krieg und Gewalt: Die letzten Monate und Tage des Krieges, Borneffs fotografischen Zeugnisse des Absturzes eines amerikanischen Bombers und die schweren Bombenschäden mit Todesopfern am 8. April 1945 in unmittelbarer Nachbarschaft seines Wohnhauses waren von geradezu traumatischer Wirkung für sein späteres Werk. Zerstörung, Vernichtung, Entmenschlichung und Tod bleiben ein immer wiederkehrendes Motiv – wie beispielsweise in der Lithografie über einen Flugzeugabsturz oder in einem Hitlerbild vor dem Trümmerfeld einer Stadt. Gewalt und Tod sind auch das Motiv einer Kohlezeichnung „Kanonen“ bzw. einer Kugelstiftzeichnung „Friedhof“. Eine Radierung mit dem sarkastischen Titel „Schöne Frau – zwei Kretins“ zeigt die vollkommene Deformation von Menschen als Folge des Atomangriffs von Hiroshima.
Die Ausstellung „Krieg und Nachkriegszeit“ in der Rückertstraße 3, Coburg, zeichnet ein dichtes Bild von Karl F. Borneffs Werk. Das Motiv legt die Schmerzensspur der Kriegsjahre frei: Zerstörung, Entmenschlichung und die lange Wirkung von Gewalt. Ein stiller Moment für Erinnerung, verpaart mit der Angst vor der Wiederkehr: Linien, Flächen, Spuren – und die Frage, was bleibt. Die Schwere des Krieges mit seinen Folgen legt sich als feiner Staub über das Motiv. Dieses Jahr jährte sich das Ereignis in Hiroshima und Nagasaki, das der Menschheit vor Augen führte, dass man inzwischen in der Lage ist, sich selbst kurzfristig zu vernichten und man die Evolution neu schreiben muss, zum 80. Mal. Optimisten sagen vielleicht: Das Ereignis hat uns in Deutschland und in vielen anderen Ländern durch die Abschreckung etliche Jahrzehnte an Frieden beschert. Aber das ist vordergründig: Denn Kriege gab es auf dem Globus weiterhin zuhauf – und sie häufen sich gerade. Wobei etliche Atommächte versuchen, dies als Druckmittel zu nutzen.
Wie traumatisierend dies im Stillen auf die Menschheit wirkt, zeigen die vielen Momente, in denen das Thema aufgegriffen wird: In der Musik (exemplarisch: Donovan „Split wood not atoms“ (auf dem 1980 veröffentlichten Album „Neutronica“); oder sehr sarkastisch: EAV „Burli“ aus dem Jahr 1987) zieht es sich bis heute als roter Faden durch. Und auch in der Fotografie oder in der Malerei ist es ein Thema. So wie im vorliegenden Werk von Karl F. Borneff – wobei diese Schönheitsideale nicht zum Nachahmen geeignet sind. Wenn wir gerade beim Nachahmen sind: Wir steuern gerade auf eine Situation zu, in der man befürchten muss, dass die Situation eskalieren könnte. Wollen wir hoffen, dass die alten Männer ihr Ego im Zaum halten. Die Angst vor einem Atomkrieg ist und bleibt jedenfalls gegenwärtig. Aufgenommen am 5. Mai 2025 während einer BDS-Führung (Bund der Selbstständigen).
Die Führung leitete Rupert Appeltshauser – seit 2000 ehrenamtlich für das Stadtmuseum engagiert und seit 17. Juni 2025 stellvertretender Vorsitzender der Initiative Stadtmuseum Coburg e.V. Umgesetzt wurde das Projekt von „Wirgestalten e.V.“, getragen von Studierenden der Hochschule Coburg (Produktdesign, Innenarchitektur, Architektur). Laufzeit: 22. März 2025 bis 11. Mai 2025 (verlängert).
Herzlichen Dank auch an die Städtischen Sammlungen Coburg (SSC) für die Erlaubnis, die Bilder auf meiner Website veröffentlichen zu dürfen.
Bilddaten: Radierung „Schöne Frau – zwei Kretins (Atomkrieg)“, 1961, 22 × 21 cm (Fundus der Städtischen Sammlungen Coburg).



