3. Konsum und Kalter Krieg: Aus der Erfahrung der unmittelbaren Grenznähe zur Zeit des Kalten Krieges entstand eine politische Kunst, die sich in kritischer Distanz und unter Vermeidung einseitiger ideologischer Festlegungen mit den Fehlentwicklungen in Ost und West auseinandersetzt. Zäune sind ein wiederkehrendes Symbol von Trennung, Abgrenzung und Ausgrenzung, wie beispielsweise in einer gleichnamigen Zeichnung oder einem Gemälde in Tempera, dessen Mitte in ansonsten unberührter Landschaft ein für die innerdeutsche Grenze charakteristischer Grenzpfahl dominiert. Werke wie die Radierung „Der Sozialismus siegt“ oder die Lithografien „Herr Doktor Marx aus Trier“ oder „Staatsbesuch mit Zeitzünderbombe“ thematisieren die Ausweglosigkeit des stalinistischen Weges zum Sozialismus, einschließlich des zynischen Machtmissbrauchs der politischen Führer.
In gleicher Schärfe steht auch die vermeintliche Wohlstandsgesellschaft der jungen Bundesrepublik in der Kritik wie beispielsweise in Radierungen mit den Titeln wie „Arbeiter und Boss“, „Der Direktor hat Geld und ein Gebiss“, und „Doch der Segen kommt von oben“. Eine Kreidezeichnung mit dem ironischen Titel „Wir sind es satt“ nimmt den Mythos des Wirtschaftswunders auf Korn, ein Gemälde in Tempera mit dem Titel „Autofriedhof“ den ungebremsten Autowahn.
Die Coburger Schau „Krieg und Nachkriegszeit“ (Rückertstraße 3) verdeutlicht Borneffs Themen und Techniken mit eindringlicher Ruhe. Inhaltlich richtet sich der Blick auf Ideologie, Konsumkritik und die Widersprüche der jungen Wohlstandsgesellschaft. Ein Motiv wie ein Echo: erst fern, dann nah, schließlich unmittelbar. Ironie und Kritik schimmern unter der Oberfläche. Das Bild steht synonym für die Wandlung im Land. Entstanden 1958, dreizehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, haben die Menschen einen großen Teil ihrer im Krieg aufgelaufenen Defizite wie Hunger oder Verzicht, aber auch die Last der Kriegsereignisse, verbunden mit einem fatalen finalen Kriegsausgang, abgearbeitet. Stellvertretend und synonym kann man auch das Phänomen „Brot und Spiele“ des Römischen Reichs, in dem die Verantwortlichen die Massen lenkten, heranziehen. Die Aufbauarbeit im Land ist weit fortgeschritten, die Menschen suchen nach neuen Aufgaben und Orientierungen – sie wollen sich aber nicht mehr vordergründig etwas vorgaukeln lassen: „sie sind satt“. Mit dem verdeckten Transparent „Wir wollen …“ lässt der Künstler jedoch freien Raum für Definitionen, wie diese neuen Orientierungen ausschauen könnten. Die Dokumentation erfolgte am 5. Mai 2025 bei einer vom BDS (Bund der Selbstständigen) organisierten Führung.
Rupert Appeltshauser, ehrenamtlich in der Kulturarbeit aktiv; lange Jahre erster Vorsitzender, seit 17.06.2025 stellvertretender Vorsitzender der Initiative Stadtmuseum Coburg e.V., gab auf seiner Führung interessante Einzelheiten aus dem Leben in Coburg in der Kriegs- und Nachkriegszeit preis. Verantwortlich für die Umsetzung der Ausstellung: „Wirgestalten e.V.“ – Studierende der Hochschule Coburg aus Produktdesign, Innenarchitektur und Architektur. Eröffnung war am 22.03.2025, es gab eine Verlängerung bis zum 11.05.2025.
Herzlichen Dank auch an die Städtischen Sammlungen Coburg (SSC) für die Erlaubnis, die Bilder auf meiner Website veröffentlichen zu dürfen.
Bilddaten: Kreidezeichnung „Wir sind satt!“, 1958, 52,6 × 67,8 cm (Fundus der Städtischen Sammlungen Coburg).



